Abstillen – Der Kampf um den eigenen Körper

Abstillen – Der Kampf um den eigenen Körper

Nach einer langen Stillzeit ist es ein gutes Gefühl wieder Unabhängigkeit zu sein und Frau seines eigenen Körpers zu sein. Doch das positive Gefühl war nicht immer da.

Den kleinen Mann stillte ich bis zu seinem 1. Geburtstag. Als er acht Monate war, versuchte ich ihn abzustillen. Er hatte bereits einige Zähne und machte sich den Spaß in die Brustwarzen zu beißen. Hölle, tat das weh. Ich schmierte mit einer Heilsalbe und versuchte die entstandene Wunde möglichst in Ruhe zu lassen. Nur war das schwer machbar, da sich die Brust doch irgendwann wieder mit Milch füllte. Abpumpen kam nicht mehr in Frage, da ich zu dem Zeitpunkt schon Richtung Abstillen ging.

An einem Abend nahm ich es mir vor und sprach mit dem kleinen Mann, dass heute der Tag ist, an dem er keine Brust mehr bekommt. So erfreut war er nicht von meinem Vorschlag. Er hatte anderes im Sinn. Egal wie ich ihm die Pulvermilch oder das Wasser schmackhaft machte, er schlug die Flasche weg und schrie wie am Spieß. Ich versuchte es weiter bis ich zu dem Zeitpunkt kam, an dem ich es nicht mehr übers Herz brachte und ihn doch wieder an der Brust trinken ließ. Die „Versuchszeit“ kam mir ewig vor. In Wirklichkeit dauerte diese etwa eine halbe Stunde. Ich merkte, dass weder mein Sohn noch ich bereit waren, abzustillen. Somit entschied ich mich bis zu seinem ersten Lebensjahr zu stillen. Mir war wichtig, dass er bis zum ersten Jahr mit den wichtigsten Nährstoffen versorgt wird. Gestillt wurde ohnehin nur mehr fürs Einschlafen. Obwohl ich dadurch nicht mehr viel Milch hatte, kam er doch noch öfters in der Nacht.

Mit seinem ersten Geburtstag endete auch meine einjährige Karenz und das Berufsleben hatte mich wieder für zwei ganze Monate. Das war auch ein Grund, warum ich bis dahin abstillen wollte. Auslöser war eine Zahn-OP. Ich hatte starke Schmerzen und musste Antibiotika nehmen. Eine Woche vor seinem Geburtstag war es soweit. Ruhig setzte ich mich auf das Bett, nahm ihn in den Arm und sprach mit ihm. „Die Mama kann ich dich nicht mehr stillen. Sie hat ein großes Aua und muss dafür was nehmen. Du bist schon so ein großer Bub und brauchst die Brust nicht mehr“. Zum Trinken gab es nur Wasser. Die ersten zwei Nächte waren hart. Dennoch schrie er weniger als beim ersten Versuch einige Monate zuvor. Mir kam es vor, als hätte er meine Worte verstanden. Nach einigen Minuten konnte ich ihn beruhigen und er schlief ein. Ab der dritten Nacht hatte er sich an das Wasser gewöhnt. Seitdem bekommt er vor dem Schlafengehen seinen Schnabelbecher gefüllt mit Wasser, das er brav trinkt. Und das Gute daran – seitdem schläft er durch!

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