Bachelor mit Kind

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Ich kann es noch immer nicht glauben. Drei Jahre studieren sind vorbei. Zwei Schwangerschaften und davon eine Geburt haben mich in dieser Zeit begleitet. Inzwischen ist mein Sohn zwei Jahre alt. Wahnsinn wie schnell die Jahre verflogen sind.

Es war nicht immer einfach

Als wäre es gestern gewesen, erinnere ich mich noch an die Anmeldung zu dem Studium Information, Medien und Kommunikation an der Fachhochschule Burgenland in Eisenstadt.

Im ersten Studienjahr war ich mit meinem Sohn schwanger. Ende des zweiten Semesters kam er auf die Welt und das drei Tage nach der letzten Prüfung.

Das dritte Semester verlief relativ gut. Solange mein Sohn klein war und viel schlief, konnte ich für das Studium lernen. Ab dem Zeitpunkt, wo er mobiler wurde und mehr Aufmerksamkeit benötigte, war es vorbei.  So wie im vierten Semester. Das vierte Semester war schon von den Fächern her ein massiver Aufwand und dazu nahm mich mein Sohn voll ein. Untertags kam ich gar nicht mehr zum Lernen. Das war ab dem Zeitpunkt vorbei. Am Tag spielte ich mit dem kleinen Mann, kümmerte mich um den Haushalt und in der Nacht lernte ich. Es kam nicht nur einmal vor, dass ich Zweifel hatte, ob ich das Studium überhaupt schaffen werde. Oft genug war ich fix und fertig und wollte einfach nur schlafen, als eine Übung für die Fachhochschule zu machen oder für eine Prüfung zu lernen. Zu meinen Überfluss flog ich bei einer Prüfung durch und musste diese nach kurzer Zeit wiederholen. Alles wieder von vorne lernen. Gott sei Dank habe ich den zweiten Antritt positiv geschafft.

1000 Dinge auf einmal

Im Herbst letzten Jahres begannen mein Mann und ich mit einem riesen Projekt. Unser Hausbau. Ich stand vor einer weiteren Herausforderung. Zweimal die Woche fuhr ich mit meinem Sohn zur Baustelle und musste Entscheidungen treffen. Meine Gedanken kreisten zwischen Hausbau, Studium und Kindererziehung hin und her. Ich war richtig ausgelaugt. Erst kurz vor Ende des fünften Semesters kam mein Sohn in die Krippe. Aber so schnell ging die Eingewöhnung natürlich auch nicht. Ein Monat dauerte es schon, bis er dort Mittag aß und schlief. Wenigstens hatte ich im Februar etwas Zeit und konnte mich auf die Bachelorarbeit konzentrieren. Denn ab März ging ich für 20 Stunden arbeiten, da ich noch ein Praktikum für das Studium benötigte. Mein Alltag sah nun so aus: Kind in den Kindergarten bringen, weiter ins Büro, nach Dienstschluss ca. eine Stunde Zeit für die Bachelorarbeit, Kind vom Kindergarten abholen, zu Hause mit dem Kind beschäftigen, Kind hinlegen und am Abend lernen bzw. an der Bachelorarbeit weiterschreiben. Dazwischen fuhr ich an gewissen Tagen zur Baustelle. Die Baustellenbesuche habe ich von zweimal in der Woche auf einmal gelegt. Mehr ging einfach nicht mehr. Damit mir nicht fad wurde, war ich bereits mit Baby Nr. 2 schwanger.

Es kam nicht nur einmal vor, dass ich bei meinem Sohn am Abend einschlief und irgendwann mitten in der Nacht munter wurde. Natürlich hatte ich keine Kraft mehr zum Lernen und verschob es auf den nächsten Tag. Manchmal sah der nächste Tag genauso aus, wie der Vortag und ich schlief wieder ein.

Das Ende in Sicht

Jede freie Minute nützte ich für die Bachelorarbeit. Ich war froh, dass ich doch noch viel Urlaub stehen hatte und konnte somit vor dem Mutterschutz zu Hause bleiben. Ohne diese Möglichkeit weiß ich nicht, ob ich zum ersten Termin antreten hätte können. Mir war es wichtig, die Prüfung Ende Juni zu erledigen. Geburtstermin im August und dann im September mit zwei Kindern ins Haus umziehen und dazu noch eine Prüfung positiv zu schaffen, stellte ich mir nicht so leicht vor. Deswegen setzte ich mir das Ziel Ende Juni mit dem Studium fertig zu sein.

Drei Wochen vor dem Prüfungstermin intensiv lernen und das Tag und Nacht war meine Devise. Wenn alle Personen mitgespielt hätten, wäre meine Strategie womöglich auch aufgegangen. Die Realität sah anders aus. Mein Mann war wegen dem Hausbau viel arbeiten und mein Sohn dachte auch nicht daran, bis zum Ende des Studiums gesund zu bleiben. Innerhalb der geplanten intensiven Lernphase war mein Sohn oft krank. Klassiker war natürlich ein Tag vor der Prüfung. Mein Sohn mit Fieber zu Hause und extrem anhänglich. Irgendwie versuchte ich, neben seinen Schlafphasen zu lernen. Aber es ging nichts in meinem Kopf hinein. Generell hatte ich das Gefühl, dass ich mich in der zweiten Schwangerschaft weniger konzentrieren konnte als in der ersten Schwangerschaft. Baby Nr. 2 entzog meine komplette Energie. Ich versuchte einen Foliensatz zu lernen, dachte, dass ich es mir merken kann und im nächsten Moment war alles weg. Vielleicht litt ich auch an der berüchtigten Schwangerschaftsdemenz. Keine Ahnung. Je näher der Prüfungstag kam, desto mehr Panik kam in mir auf.

Der Prüfungstag

Mein Sohn war noch immer krank und ich war froh, dass sich meine Schwiegermutter einen Urlaubstag nahm und auf den kleinen Mann aufpasste. Mein Mann war dienstlich verreist und hätte sich somit auch nicht freinehmen können. Viel Zeit hatte ich an dem Tag nicht mehr. Denn eigentlich wollte ich mir noch ein paar Details ansehen, aber die Baustelle rief. Die Fliesen wurden geliefert und ich musste anwesend sein. Gut, lernen am Prüfungstag hatte sowieso wenig Sinn, somit überflog ich noch wichtige Inhalte. Gemerkt habe ich mir kaum was davon.

Rechtzeitig fuhr ich zur Fachhochschule und wartete aufgeregt vor dem Prüfungszimmer. Endlich wurde ich aufgerufen. Motiviert präsentierte ich meine Ergebnisse zur Bachelorarbeit, bekam ein paar Fragen dazu, die ich auch beantworten konnte. Auch die Fragen rund ums Studium konnte ich im Großen und Ganzen beantworten. Bei manchen Fragen bemühte ich mich die passende Antwort zu geben, aber in meinem Kopf entstand nur gähnende Leere. Mir fiel echt ein Stein vom Herzen, als der Studiengangsleiter mir das Ergebnis mitteilte „mit gutem Erfolg bestanden“. Bachelor – ich konnte es nicht glauben. Drei Jahre intensives Lernen und extremer Stress waren vorbei.

Studieren mit Kind ist eine große Herausforderung. Vor allem auch, wenn noch so zahlreiche Projekte dazu kommen, wie in meinem Fall. Ohne die Unterstützung der Familie und der motivierenden Worte der Freunde hätte ich es nicht geschafft. Und dafür bin ich sehr dankbar.

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